Branchenanalyse
Rückversicherer übernehmen Risiken von Erstversicherern – das letzte Glied in der globalen Risikoabsicherungskette, mit ausgeprägtem Zyklusgeschäft, hoher Preissetzungsmacht nach Großschadenjahren und außergewöhnlich konzentrierter Marktstruktur.
Der globale Rückversicherungsmarkt ist hoch konzentriert: Munich Re, Swiss Re, Hannover Rück, SCOR und Berkshire Hathaway Re dominieren das Geschäft, ergänzt durch Lloyd's-Syndikate und alternative Kapitalträger (Insurance-Linked Securities, Cat Bonds). Rückversicherer übernehmen Teile großer Einzelrisiken (Industriebrand, Großtanker) oder Anteile an ganzen Versicherungsportfolios von Erstversicherern – sie sind die Versicherer der Versicherer.
Das Geschäft ist klassisch zyklisch (Underwriting Cycle): Nach Jahren mit schweren Naturkatastrophen oder Großschäden (Hurrikan, Erdbeben, Pandemie) ziehen sich Kapazitäten zurück, Preise steigen markant – der „Hard Market". Rückversicherer mit verfügbarem Kapital nutzen dann ihre Preissetzungsmacht. In ruhigeren Jahren (Soft Market) drückt Wettbewerb die Margen.
Aktuell befindet sich der Markt nach den Großschäden 2017–2022 in einem ausgeprägten Hard Market mit Ratenanstiegen von teils 20–40 % – ein außergewöhnlich attraktives Umfeld. Strukturelle Themen sind Klimawandel (häufigere und stärkere Naturkatastrophen, Modellunsicherheit), Cyberrisiken (junge Sparte mit hoher Modellungenauigkeit) und alternative Kapitalanbieter, die zunehmend Kapazität bereitstellen.