Branchenanalyse
Kohleproduzenten fördern thermische Kraftwerkskohle und metallurgische Kokskohle – ein strukturell schrumpfendes, aber kurzfristig immer noch hochprofitables Segment, das von asiatischer Stromnachfrage und globaler Stahlproduktion lebt.
Die Kohleindustrie unterscheidet zwei sehr unterschiedliche Produkte: Thermalkohle für die Stromerzeugung (z.B. Peabody Energy, Whitehaven Coal, Glencore-Sparte) und metallurgische Kohle (Kokskohle) für die Stahlproduktion (Teck Resources, Warrior Met Coal, Arch Resources). Während Thermalkohle in westlichen Märkten politisch und wirtschaftlich auslaufend ist, bleibt Kokskohle vorerst unverzichtbar – jede Tonne Stahl aus dem Hochofen benötigt rund 600 kg Kokskohle.
Trotz Dekarbonisierungsdruck haben Kohleproduzenten 2022/23 außergewöhnliche Cashflows erzielt: Der russische Angriff auf die Ukraine drückte Erdgaspreise nach oben und machte Kohle zur Notfallbrennstoffquelle. Asiatische Nachfrage – besonders China, Indien und Vietnam – baut weiter Kohlekraftwerke und stützt die globale Nachfrage. Australien und Indonesien sind die größten Exporteure.
Strukturell ist die Branche jedoch im Auslaufmodus für Thermalkohle: Westliche Banken und Versicherer entziehen Finanzierung, ESG-Investoren meiden den Sektor, neue Minen werden kaum genehmigt. Diese Knappheit hat paradoxerweise die Profitabilität für bestehende Produzenten erhöht – wer noch fördern darf, verdient außergewöhnlich. Dividenden- und Aktienrückkaufprogramme stehen im Vordergrund, nicht Wachstum. Kokskohle hat etwas mehr Zukunft, da Direktreduktion (DRI mit Wasserstoff) noch Jahrzehnte für die globale Skalierung braucht.